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Vom Schulleiter zum Freelance-Multitalent – Nicks Weg in den Quereinstieg

3 Min.

Während dieses Interviews hatte Nick ein stetiges Lächeln im Gesicht. Es war offensichtlich, dass er stolz darauf ist, was er geschafft hat.

Seine Geschichte ist spannend, inspirierend – und sie fing (zumindest der Teil bei jobs.ch) … mit einem Baby an.

Wir brauchten eine Schwangerschaftsvertretung für mich. Ein Kollege hatte da jemanden im Kopf: Nick.

Damals wusste ich nur: Nick arbeitet als Schuldirektor. Heute ist er selbstständiger Kommunikations- und Markenberater. Er unterstützt Organisationen dabei, sich in komplexen Situationen und Veränderungsprozessen zurechtzufinden. Sein Weg dorthin verlief jedoch alles andere als konventionell.

Was ursprünglich als Mutterschaftsvertretung begann, entwickelte sich rasch weiter: Nick übernahm anspruchsvolle Kommunikationsaufgaben und bewies, dass er sich auch in einem neuen Umfeld sicher bewegen kann.

Für neue Wege und Abenteuer braucht man meistens auch ein wenig Glück – und eventuell jemanden, der kurz in den Schwangerschaftsurlaub verschwindet. 😉

Hi Nick, schön, dass du da bist.

Was hat dich dazu gebracht, einen sicheren Weg im Bildungsbereich zu verlassen und den Quereinstieg zu wagen?

Wir alle starten unsere Karrieren sehr jung und sind mit viel Leidenschaft dabei. Aber man entwickelt sich weiter. Man verändert sich als Mensch – und was in einer bestimmten Lebensphase wichtig ist, verändert sich manchmal mit.

Ich habe mein Team und unsere Community durch die COVID-Zeit geführt, und danach war für mich klar: Ich muss herausfinden, was mir wirklich wichtig ist.

Ich konnte viel bewirken – es war eine wunderschöne Zeit. Aber ich wollte mehr Balance in meinem Leben und gleichzeitig auch meine Stärken auf neue Art einsetzen.

Und manchmal geht’s auch darum, das eigene Einkommenspotenzial zu erweitern. Im Bildungsbereich ist das Einkommen stabil – aber es hat Grenzen.

Gab es einen bestimmten Moment, in dem dir klar wurde: «Jetzt muss sich etwas ändern»?

Ich war in Kopenhagen bei einem Workshop über Stärken und positive Psychologie. Da wurde mir bewusst: Ich nutze meine Stärken nicht wirklich.

Der Weg zum Quereinstieg

Wie bist du den Wechsel angegangen – mit einem klaren Plan oder Schritt für Schritt?

Ich bin ein sehr strukturierter Mensch. Planung ist mir wichtig. Ich glaube nicht, dass man so etwas auf die leichte Schulter nehmen sollte. Man braucht einen strategischen Plan.

Ich hatte ein klares Ziel vor Augen und habe für mich definiert, was Erfolg bedeutet. Und zwar in Etappen – für jede Etappe gab es ein konkretes Ziel.

Was war die grösste Herausforderung auf diesem Weg? 

Die Lücke zwischen der Seniorität im früheren Job und dem Neustart /Anfängertum in einem ganz anderen Bereich. 

Man muss bereit sein, wieder zu lernen und zwar mit Demut. Das ist nicht einfach, besonders wenn man älter ist als andere im gleichen Umfeld. 

Und es ist okay, das zu betrauern. Ich hatte Momente, in denen ich dachte: „Was habe ich da getan?“ Ich vermisste die Gemeinschaft, die Struktur, die Sicherheit. Man muss sich selbst erlauben, das zu fühlen. 

Gerade als Freelancer: Es dauert, bis man klar formulieren kann, was man eigentlich macht. Dieses Unbehagen gehört eine Weile dazu. 

Wenn mich Leute gefragt haben: „Was machst du?“, habe ich lange Zeit immer mit „Früher war ich …“ begonnen. Ich musste mir dieses Muster abgewöhnen. 

Ein Tipp: Wenn du diesen Schritt machst, bewirb dich auch auf Jobs, für die du nicht alle Kriterien erfüllst. Der Fokus sollte auf deinen übertragbaren Fähigkeiten liegen. Wenn du diese kennst, kannst du sie viel besser positionieren. 

Für mich sind das u. a.: Zusammenarbeit, Kommunikation und Lernfähigkeit. Diese Skills waren und sind in beiden Welten zentral. 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus? 

Ich blockiere bewusst Zeiten für Projekte oder Kund:innen. Für meine eigene Struktur brauche ich einen gewissen Rhythmus. 

Ich halte mich an klassische Bürozeiten, aber wenn spontan etwas ansteht, ist das heute viel machbarer als damals in der Schule. 

Früher hätte ich mir nie vorstellen können, einen Coiffeurtermin am Dienstagvormittag um 11 Uhr zu buchen. Jetzt schon. 

Herausforderungen & Learnings 

Was waren die grössten Herausforderungen und wie bist du damit umgegangen? 

Ich komme nicht aus der Business-Welt. Plötzlich musste ich ein eigenes Unternehmen aufbauen. Man ist plötzlich eigene:r Chef:in, HR- und Rechtsabteilung in einem – und muss sehr schnell sehr viel lernen. 

Ich habe recherchiert, Blogs gelesen, ChatGPT gefragt … 

  1. Sich selbst vermarkten.
    Wie erklärt man anderen diesen Wechsel? Man bekommt oft komische Blicke. Ein kompletter Branchenwechsel ist (noch) nicht selbstverständlich –vor allem nicht im Bildungsbereich.
  2. Networking.
    Das hatte ich vorher nie nötig. Heute hängt ein grosser Teil meiner Arbeit davon ab.

Was hat dich auf dieser Reise am meisten überrascht – im Positiven oder Negativen? 

Wie viel ich über mich selbst gelernt habe. 

Es war nicht nur ein beruflicher, sondern auch ein persönlicher Weg. Die Verbindung zwischen Beruf und Identität ist riesig. Früher waren „Nick, der Schulleiter“ und „Nick, die Person“ eins. Das zu trennen war ein grosser Schritt. 

Übertragbare Fähigkeiten & Neues Lernen 

Welche Skills aus deinem alten Job helfen dir heute noch? 

Kommunikation, Zusammenarbeit, Lernfähigkeit – sie bleiben konstant. 

Was musstest du ganz neu lernen und wie hast du das gemacht? 

Buchhaltung. Steuern. Rechtliches. 

Ich lerne jeden Tag etwas Neues, auch dank der tollen Menschen, mit denen ich arbeiten darf. 

Ich bringe viel Erfahrung mit. Das ist ein riesiger Mehrwert. Ich sehe Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven. 

Branding & Projekte 

Du arbeitest jetzt im Branding und Marketing. Was begeistert dich daran? 

Ich liebe Kommunikation – und genau darum geht’s im Branding. 

Man gestaltet, wie andere ein Unternehmen wahrnehmen. Das ist wahnsinnig spannend. 

Wie findest du neue Projekte – oder finden sie dich? 

Es braucht einen Multichannel-Ansatz. Ein gutes LinkedIn-Profil, eine Website, auf der man sieht, was ich mache. Das hilft enorm. 

Tipps & Inspiration 

Welchen Rat würdest du jemandem geben, der über einen Karrierewechsel nachdenkt?

Tief durchatmen. Mut fassen. Ins Wasser springen. Du musst schwimmen lernen – aber du wirst es schaffen. 

Und: Es ist kein Weg ohne Rückkehr. 

Ich könnte jederzeit wieder zurück ins Klassenzimmer. Die Entscheidung für einen Quereinstieg löscht nicht deine bisherige Karriere aus. Wenn du merkst, dass es nicht das Richtige war, kannst du jederzeit zurückgehen. 

Wie gehst du mit Unsicherheit um und welche Rolle spielt Mut dabei?

Ich bin ein unerschütterlicher Optimist. Ich glaube, dass sich die Dinge fügen. 

Meine Zeit in Deutschland und der Schweiz hat mich aber auch pragmatisch gemacht. Ich bin nicht naiv. Ich bin pragmatisch und optimistisch. Jeder kleine Schritt bringt mich meinem Ziel näher. 

Zum Schluss 

Worauf bist du heute besonders stolz?

Dass ich meine Komfortzone verlassen habe. Ich habe etwas gewagt. Das braucht Mut – aber ich habe es geschafft. 

Was gibt dir in deiner aktuellen Arbeit am meisten Energie?

Die Menschen, mit denen ich arbeite. Sie sind grossartig, unterschiedlich, sprechen verschiedene Sprachen und bringen spannende Perspektiven mit. 

Auch meine Kund:innen geben mir Energie. 

Würdest du es wieder tun?

Auf jeden Fall. Ich wäre klüger, würde einiges anders machen. Aber ich würde es wieder tun. 

Über Nick 

Heute arbeitet Nick als selbstständiger Kommunikations- und Markenberater. Mehr über seine Arbeit findest du auf nickpraulins.com. 

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